09.10.2026 · Frank Havemann

Digitaler Nachlass: Was gilt, was du regeln solltest und wie

Kurz gesagt: Der digitale Nachlass umfasst alles, was von dir online und auf Geräten bleibt: Konten, Daten, Verträge, Fotos, Guthaben und Zugänge. Er geht in der Regel wie das übrige Vermögen auf die Erben über. Ohne Vorbereitung finden Angehörige aber oft weder die Konten noch die Zugänge. Mit einer Übersicht, klaren Wünschen und einer Vollmacht vermeidest du das.

Hier erfährst du, was zum digitalen Nachlass gehört, was rechtlich meist gilt und wie du Schritt für Schritt vorsorgst.

Was gehört zum digitalen Nachlass?

Was gilt rechtlich für den digitalen Nachlass?

Nach dem Grundsatz der Gesamtrechtsnachfolge im Erbrecht gehen Rechte und Pflichten des Verstorbenen grundsätzlich auf die Erben über. Der Bundesgerichtshof hat dies für Konten bei einem sozialen Netzwerk bestätigt: Der digitale Account wird im Grundsatz wie andere vererbbare Vertragsverhältnisse behandelt, auch die Inhalte. Die Details hängen aber vom jeweiligen Anbieter, Vertrag und Einzelfall ab.

Das heißt nicht, dass Erben alles sofort einsehen können. Anbieter verlangen meist Nachweise wie einen Erbschein oder eine Sterbeurkunde, und Zwei-Faktor-Schutz kann den Zugang erschweren. Für nicht vererbbare Inhalte, etwa personenbezogene Rechte, gelten teils Besonderheiten. Bei konkreten Fragen hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Erbrecht.

Wie sorge ich Schritt für Schritt vor?

  1. Bestandsaufnahme: Liste alle Konten, Geräte, Abos und Speicherorte auf. Schau in dein E-Mail-Postfach, in Browser und Passwortmanager nach vergessenen Konten.
  2. Priorisieren: Was ist wichtig (Bank, E-Mail, Verträge), was ist emotional wertvoll (Fotos), was soll gelöscht werden?
  3. Zugänge sichern: Nutze einen Passwortmanager und regle, wie Vertrauenspersonen im Ernstfall Zugriff erhalten.
  4. Wünsche festhalten: Schreibe auf, was mit Konten passieren soll: löschen, gedenken, übergeben oder archivieren.
  5. Vollmacht erteilen: Eine Vorsorgevollmacht, die über den Tod hinaus gilt, kann der Vertrauensperson erlauben, digital zu handeln.
  6. Aktualisieren: Prüfe die Liste jährlich.

Zum Ordnen eignet sich der Digitale Nachlass-Manager, in dem du digitale Konten und deine Wünsche für den Ernstfall festhältst. Wer Passwörter, Geräte, Abos und Wiederherstellung an einem Ort verwalten möchte, nutzt den Passwort- & Digital-Life-Organizer.

Wie gebe ich Zugangsdaten sicher weiter?

Notiere Passwörter nicht auf einem Zettel am Monitor. Besser ist ein Passwortmanager mit einem starken Hauptpasswort. Das Hauptpasswort und die Wiederherstellungscodes hinterlegst du an einem sicheren Ort, zum Beispiel in einem Tresor oder in einem versiegelten Umschlag bei einer Vertrauensperson oder beim Notar. Hinterlege nie ungesichert alle Zugangsdaten in einem Testament, denn das wird nach dem Tod eröffnet und von mehreren Personen gelesen.

Einige Anbieter bieten eigene Lösungen an, etwa einen Nachlasskontakt oder einen Inaktivitätsmanager. Sie sind praktisch, aber nur ein Teil der Lösung, denn sie decken nicht alle deine Dienste ab. Ein Digitaler Konten-Tresor hilft dabei, Konten, Geräte, Lizenzen und Wiederherstellungscodes zu bündeln.

Was passiert mit Social Media und E-Mail?

Viele Plattformen bieten ein Gedenkkonto, eine Löschung oder einen Nachlasskontakt an. Lege vorab fest, was du möchtest. Dein E-Mail-Konto ist besonders wichtig, weil darüber oft andere Konten zurückgesetzt werden und Rechnungen eingehen. Gib Angehörigen deshalb eine Chance, dieses Konto zu finden und kontrolliert zu schließen, nachdem alle Verträge geregelt sind.

Welche Fehler solltest du vermeiden?

Wie viel Aufwand ist realistisch?

Du musst nicht an einem Wochenende alles erledigen. Plane zwei bis drei Abende ein: einen für die Bestandsaufnahme, einen für Zugänge und Wünsche, einen für Gespräch und Weitergabe. Danach reicht ein jährlicher Check von einer Stunde.

Auch ein einfacher Anfang hilft: eine Liste der zehn wichtigsten Konten, das Wissen um den Ort des Passwortmanager-Zugangs und ein klarer Satz, was mit deinen Fotos passieren soll. Alles Weitere kannst du schrittweise ergänzen. Wichtig ist, dass Menschen, denen du vertraust, überhaupt wissen, dass es diese Unterlagen gibt und wo sie sind.

Häufige Fragen

Erben meine Angehörigen meine Online-Konten?

Im Grundsatz geht der digitale Nachlass wie das übrige Vermögen auf die Erben über. Wie das im Einzelfall funktioniert, hängt von Anbieter und Vertrag ab, und Anbieter verlangen meist einen Nachweis der Erbenstellung.

Was sollte ich zuerst regeln?

Beginne mit E-Mail-Konto, Online-Banking und dem Passwortmanager. Von diesen Zugängen hängt ab, ob Angehörige alles andere finden und klären können.

Darf ich Passwörter in mein Testament schreiben?

Das ist nicht empfehlenswert, weil ein Testament nach dem Tod eröffnet wird und mehrere Personen es lesen. Besser sind ein gesicherter Passwortmanager und separate Hinterlegung.

Wie lösche ich mein digitales Leben?

Lege fest, welche Konten gelöscht werden sollen, und halte das schriftlich fest. Eine bevollmächtigte oder vertraute Person kann das dann umsetzen.

Reicht eine Vollmacht über den Tod hinaus?

Sie kann viel erleichtern, ersetzt aber nicht in jedem Fall die Erbenstellung. Besprich mit einer Beratung, wie du Vollmacht, Testament und digitale Wünsche aufeinander abstimmst.

Hinweis: Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Erbrechtliche Fragen zum digitalen Nachlass klärst du mit einer Anwältin, einem Anwalt oder einer Notarin.